[Review] Thunder – Dopamine

Galerie mit 32 Bildern: Thunder – Stand Up Tour 2019 in Bochum

Ein schlanker Zeitraum von 412 Tagen liegt zwischen der Veröffentlichung von „Dopamine“ und des Vorgängers „All The Right Noises“. Während sich Bands aus den 1980ern mit zunehmenden Alter immer mehr Zeit zwischen ihren Alben lassen, ist das tatsächlich der kürzeste Zeitraum zwischen zwei Scheiben in der Geschichte von THUNDER. Einordnend muss erklärt werden, dass der Vorgänger schon Anfang 2020 fertig war und diese 412-Tage-Spanne vollständig für die Arbeit an „Dopamine“ genutzt werden konnte. Da Luke Morley im Lockdown anscheinend besonders viel Zeit hatte, umfasst das 15. Studioalbum der Briten 16 Songs.

Auf den Donner ist Verlass

Und wie es bei einer Scheibe mit so vielen Rillen zu erwarten ist, sind nicht alle Songs gleichspannend. Das Album startet mit ‚The Western Sky‘, welches den Weg des Vorgängers „All The Right Noises“ fortsetzt: Kernige, aber gemächliche Hard Rock-Riffs. Eingängige Refrains, die nicht zu plump sind und Danny Bowes setzt ihnen wie immer mit seinen Gesangsfähigkeiten die Krone auf. Trotz der Versiertheit, mit der die Briten vorgehen, mag man sich daran etwas sattgehört haben.

Da kommt es nur allzu passend, dass die Briten ihr Spielfeld erweitert haben: Über die gewohnten Akustiknummern wie ‚Even If It Takes A Lifetime‘ hinaus werden sie sogar richtig experimentell. ‚Even If It Takes A Lifetime‘ kommt mit Westerngitarren daher und wartet mit mehr Charakteristika des US-amerikanischen Blues-Rocks als des klassisch britischen Sounds auf.

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Hinzu kommt das düstere Trennungslied ‚Black‘, das durch die langsamen, eingängigen Rhythmen und den unheilvoll klingenden Akkorden punktet. Im Gegensatz dazu hat ‚Unraveling‘ die Leichtigkeit der Gilmourschen PINK FLOYD. ‚I Don’t Believe The World‘ kommt mit ungewohnten Rhythmen daher und erinnert an Hip-Hop aus der ersten Dekade des aktuellen Jahrtausends.

Textlich ist die Scheibe eindeutig durch die Pandemie geprägt: ‚Disconnected‘ beschreibt die Einsamkeit, ‚I Don’t Believe The World‘ behandelt das Gefangensein in Verschwörungsideologien und im Zuge der Aufarbeitung von Partygate scheint der Text von ‚Just A Grifter‘ immer besser auf Boris Johnson zu passen. Wie von den vergangenen Platten gewohnt, scheut Morley sich nicht vor politischen Statements, doch er drängen mit ihnen nicht alles andere an den Rand. Dennoch zieht sich durch „Dopamine“ eine Spur der Dunkelheit.

„Dopamine“ ist die Coronabewältigung zum richtigen Zeitpunkt

So liegt der Gedanke nah, „Dopamine“ als eine Allegorie zur Pandemie und insbesondere der ersten Monate von ihr zu betrachten: Es reflektiert die freie Zeit, die mit Songwriting und der Erforschung neuer Sachen gefüllt wurde. Auch die starke Politisierung, der man sich kaum entziehen konnte, fand ihren Weg auf die Scheibe. Doch letztlich ist die Scheibe eine lange Abfolge unterschiedlich wirkender, aber letztlich ähnlicher Songs. Das macht das Album nicht angenehm genug, um es am Stück zu hören, doch auch mit ihrem 15. Werk haben die Briten wieder eine Sammlung guter Songs zustande gebracht.

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