[Review] Katapult – Play Stupid Games, Win Stupid Prizes

Natürlich ist der klassische Schwedentod – sei es die Stockholmer oder die hier gegenständliche Göteborger Schule – ein alter Schuh. Aber alte Schuhe persistieren nicht umsonst im Schuhregal, immerhin fühlen sie sich oft am ehesten wie das Wohnzimmer für die Füße an. Und wem mal der Schuh im Wortsinne gedrückt hat, wird ein paar alte aber gemütliche Latschen zu schätzen wissen. KATAPULT jedenfalls, eine 2017 gegründete schwedisch-schweizerische Kollaboration und nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen, tschechischen Rock-Band, haben sich diese Stiefel angezogen und liefern mit „Play Stupid Games, Win Stupid Prizes“ ihr furioses Full-Length-Debüt ab. Und sie sind eine der Bands, die ihren melodischen Death Metal Göteborger Machart mit reichlich Elementen von Thrash und Hardcore würzen.

KATAPULT liefern thrashenden Melodeath mit Straßenflair

Damit stehen sie klanglich Bands nahe wie beispielsweise THE HAUNTED (abzüglich ihrer entzweienden Experimente auf Alben wie „The Dead Eye“ und „Unseen“). Tatsächlich klingt „Play Stupid Games, Win Stupid Prizes“ gerne mal so wie das Album, das besagte Band irgendwo zwischen „One Kill Wonder“ und „Revolver“ hätte aufnehmen können, wobei die Namensvetter des Trebuchets den (thrashigen) Peter Dolving-THE HAUNTED etwas näher stehen als ihrer Marco Aro-Inkarnation. Das bedeutet, dass es auf „Play Stupid Games, Win Stupid Prizes“ schon recht zünftigen Melodeath zu hören gibt, der hin und wieder aber eben in etwas atmosphärischere Gefilde abtaucht. Sänger Johann Norström untermauert das, indem er zwischen seiner angepissten Tompa Lindberg-, einer etwas grantelnden Anders Fridén- und der semi-melodischen, leicht psychotischen Peter Dolving-Intonation intuitiv hin- und herschaltet.

Technisch bedient das Gitarrenduo bestehend aus Florian Moritz und *liest noch einmal den Pressetext, um sicher zu gehen* Joel Purification meist einfache aber effektive Göteborg-Riffs, die selten zu melodisch werden um den Grooves ihre Durchschlagskraft zu nehmen, sondern stattdessen so richtig schön erdig herüberkommen und – in Ermangelung einer besseren Beschreibung – nach Straße klingen. Wenn überhaupt, dann unterfüttern die Klampfer ihre Gitarren eher mit fleischigen Palm Mutes aus der Hardcore-Trickkiste, hüten sich in Abwesenheit allzu offensichtlicher Breakdowns aber davor, zu sehr in Metalcore-Gefilde zu stolpern, selbst wenn ein Song der Marke „Invite Your Sin“ eine klar gesungene Hook sein eigen nennt. Das gehört aber eher zu den Ausnahmen, meist liefert Norström wie erwähnt diesen leicht derangiert klingenden Sprechgesang.

„Play Stupid Games, Win Stupid Prizes“ ist trotz kleinerer Schwächen ein Gewinner

Ebenfalls eine Ausnahme ist „Schädel“, und zwar gleich in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist das der einzige Versuch Norströms auf dem gesamten Album, deutsch zu singen. Zum anderen klingt der Song in geradezu spöttischer Manier nach etwas, was IN FLAMES um die Jahrtausendwende herum hätten aufnehmen können. Damit ist „Schädel“ der große Ausreißer der Trackliste und dadurch streitbarerweise das schwächste Glied der Kette an ansonsten ausgesprochen soliden Songs, die KATAPULT hier auf den Silberling geklöppelt haben. Denn mit einer ganzen Reihe von gelungenen Hooks, die Songs wie „The Hands Of The Devil“, „The Arsonist“ und „All This Because Of Greed“ bevölkern, adressiert das schwedisch-eidgenössische Konglomerat den großen Kritikpunkt, den ihnen der geschätzte Vorredner betreffs ihrer 2021er EP „Shut The Fuck Up And Press Play“ anhaftete: mangelnde Eingängigkeit.

Zusätzlich kommt eben ein hoher, Groove-betonter Druck hinzu, der souverän in die Nackengegend fährt und entweder richtig zackige Schädelbrecher der Marke „Confortably Dumb“, „Litany Of Spirals“ oder „Bränn Bilder Och Minnen“, in welchem sich Norström ein Schrei-Duell mit Johann Lindkvist leistet, hervorbringt oder zwischendrin auch mal ein Midtempo-Monster der Marke „The Hands Of The Devil“ oder sogar einen schleppenden, stimmungsvollen Track der Marke „Sweetheart Come“ prouziert. „Play Stupid Games, Win Stupid Prizes“ ist in seiner Essenz Death Metal nach Göteborger Gusto mit kräftiger Thrash- und Hardcore-Infusion, der sich abgesehen von „Schädel“ keine nennenswerte Schwäche leistet und einfach nur Spaß macht. Große Pioniersarbeit wird hier sicher nicht geleistet, klar. Aber KATAPULT bedienen das Verlangen nach zünftigem Melodeath dennoch souverän und dürfen daher gefahrlos angetestet werden.

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