[Review] Dream Tröll – Realm Of The Tormentör

Es scheint etwas ruhiger geworden zu sein im Social-Media-Umfeld der britischen Heavy-Metal-Band DREAM TRÖLL. Das mag sicher daran gelegen haben, dass deren Sänger Paul Walsh nicht lange nach Erscheinen ihres Vorgängeralbums „Second To None“ seinen Austritt verkündet hat. Nun ist es an Ash Elliott, dieses sicher nicht ganz leichte Erbe anzutreten. Sechs Nummern umfasst das neue, dritte Full-Length-Album „Realm Of The Tormentör“, was man aufgrund dieser übersichtlichen Trackliste (und aufgrund der Etikettierung von Spotify) für eine EP halten könnte, was lt. den Metal Archives jedoch ein Full-Length-Album ist. Nun, auf jeden Fall halten sich die Briten mit etwas um die 34 Minuten Spielzeit kurz und bündig, was ja ohnehin nichts schlechtes ist.

Neue Stimme, neuer Sound?

Elliott tritt das Erbe seines Vorgängers ziemlich souverän an. Seine Stimmfarbe lässt sich relativ nah an der seines Vorgängers platzieren, insgesamt aber mit weniger Volumen und Soul. Was geblieben ist, sind die mehrstimmigen Hooks, die ohne Walshs Beitrag etwas von ihrer einstigen Arenagröße missen lassen. Es scheint jedoch, dass das Songwriting darauf abgestimmt worden ist, denn „Realm Of The Tormentör“ klingt längst nicht mehr so sehr wie eine Verschmelzung aus Melodic/Power Metal mit AOR. Der Fokus liegt hier etwas mehr auf traditionellerem Metal, dem jedoch erneut eine rockige Note beigemischt worden ist. Diesmal ist es mehr klassischer Hard Rock, der die rostigen Getriebe des Stahls schmiert und das Album wie locker aus der Hüfte geschossen klingen lässt.

Insgesamt klingt „Realm Of The Tormentör“ folglich trockener und treibender wie sein Vorgänger – etwas, woran man sich mit dessen Hits noch in den Ohren nachhallend erst einmal gewöhnen muss. Matt Baldwinsons Gitarre rifft insgesamt etwas groovebetonter. Seine Licks sind aber immer noch klar in der NWoBHM verwurzelt, inklusive markanter Doppel-Leads zum Niederknien. DREAM TRÖLL kehren damit nicht unbedingt zu den epischeren Klängen von der „The Witch’s Curse“-EP zurück. Das Songwriting kann die epische Kante allerdings auch nicht ganz abschütteln, sodass die Bridge des eröffnenden Quasi-Titeltracks „The Tormentor“ schon nach gezücktem Schwert, darüber hinaus aber zum Glück nicht zu sehr nach geölter Heldenbrust und zweckdienlichem Lendenschurz klingt.

DREAM TRÖLL modernisieren ihren Traditionsstahl

Es weht natürlich eine gewisse, klassische Metal-Ästhetik durch die Songs . Die Würze der einzelnen Songs verhindert allerdings, dass sich DREAM TRÖLL zu sehr an die Schweden anbiedern, und verpasst ihrem Sound etwas seltsam modernes. So bekommt „Winner Takes Nothing“ ein paar straffe Grooves und einen richtig treibenden Instrumentalpart unter die Achsen geklemmt. Man addiere noch die Gangshouts hinzu und schon hat der Song beinahe ein urban wirkendes Feeling. Oder so ähnlich. Es klingt auf jeden Fall nicht nach Fantasy-Kriegen. Es bleibt jedoch im Bereich des Midtempos verhaftet und reicht somit nicht an die Oktanzahl eines MOTORJESUS heran.

„Here Comes Chaos“ ist ein dank der freizügiger eingesetzten Synthesizer etwas atmosphärischerer Track. Tatsächlich kommt dieser Song der DNA des Vollzeitvorgängers aufgrund dessen sowie der Hook und der etwas weitläufigeren Melodieführung noch am nächsten, reiht sich klanglich aufgrund seiner geradlinigeren Rhythmik jedoch nahtlos in die hiesige Trackliste ein. Und noch eine Überraschung wartet hier auf den Hörer: Der instrumentale Mittelteil gewinnt dank schreddernder Palm-Mute-Riffs eine fast thrashige Intensität. Besonders gelungen ist hierbei, wie diese härtere Unterfütterung mit den verträumten Harmonien des Songs zusammengeführt werden, fast so als hätten sich DREAM TRÖLL mal kurz in Richtung Prog verlaufen.

„Making the old sound new“

Den Zenit erreichen die Briten schließlich mit „Watch It Burn“, einem knackigen, hyperaktiven Hard Rocker mit einer Bleifuß-Hook und darin herrlich kontrapunktiv hindurch wuselnder Melodie. Hier bringt der Instrumental-Part durch die Drosselung der Schlagzahl bei gleichbleibend straffem Groove wiederum etwas Moderne in den Traditionssound rein. Und hier, bei diesem energetischen Kracher, fühlt sich Elliotts Stimme auch hörbar am wohlsten. Beherzt sind die Gangshouts in der Hook von „She Got The Devil Inside“, die diese nachhaltig und mit angemessener Wucht im Gehörgang platzieren. Unterdessen kommt der Rausschmeißer „As Death Rains From The Sky“ als etwas gedämpfte, triolische Hymne mit konsistentem Hauptthema und explosivem Finale daher, in die Paul Thornton sogar ein paar nette Bass-Slaps im Solo-Part einbaut.

Nach etwas Eingewöhnungszeit nimmt also auch „Realm Of The Tormentör“ seine Hörer erfolgreich für sich ein. Im direkten Vergleich mit „Second To None“ hat das neue Album von DREAM TRÖLL ein bisschen das Nachsehen, steht andererseits aufgrund seines an die neue Stimme angepassten Sounds aber auch wunderbar auf eigenen Beinen. Es hat seinen eigenen Charakter, übertreibt es aufgrund der neuen Trockenheit kaum mit der Cheesyness und klingt trotz klar erkennbarer Traditionskante einfach erfrischend modern, ohne dabei zu sehr ins Synthesizer-Fettnäpfchen zu treten. Und Ash Elliott liefert trotz seiner noch etwas ausbaufähigen Stimme einige richtig gute Hooks ab. Es empfiehlt sich als Fan des Vorgängers also dringend, dem Ding hier eine Chance zu geben. Könnte sich lohnen.

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