[Review] Defacement – Defacement

DEFACEMENT kamen um 2019 mit ihrem Debüt „Deviant“ so ziemlich aus dem Nichts. Viel ist über die beiden Lybier Khalil und Ahmed, die mittlerweile in den Niederlanden weilen, nicht bekannt. Die zwei haben sich mit Marco Del Pastro und Xander Bradley dann noch Schlagzeuger und Gitarrist aus Italien respektive dem UK dazu geholt, um mittlerweile auch als vollwertige Band Musik machen zu können. Und die ist, so viel kann schon einmal verraten werden, im Death Metal zu verorten und verdammt düster! Aber vollkommen ohne Zuhilfenahme von fernöstlichen Melodien oder sonstigem Einfluss, der angesichts der Herkunft der zwei erwarten könnte.

Wir haben hier keine neuen NILE, ORPHANED LAND, MELECHESH, SCARAB oder NERVECELL. Vielmehr haben wir hier angeschwärzten, dissonanten Death Metal vorliegen, der manchmal an isländische Projekte wie ZHRINE erinnert, aber doch weitaus weniger melancholisch und vielmehr höhlenmenschartig, aber auch mit lovecraft’scher, verstörender Atmosphäre in der geistigen bzw. musikalischen Folge solcher Bands wie den britischen ABYSSAL daher kommt.

Klingt so, wie das Cover verspricht: DEFACEMENT

Auf dem neuesten, selbstbetitelten Werk von DEFACEMENT gibt es grundsätzlich längere Songs, die aber wenig Platz für progressive Spielereien lassen und vielmehr ein waberndes Ektoplasma zwischen verstörenden Soundwänden beschwören, denn wirklich „Songs“ im kompositorischen Sinne oftmals sind. Dankenswerterweise wird das von kleinen Verschnaufpausen in den Songs und auch den kurzen, „Limbo“ getauften Synthieinterludien aufgelockert. Das war auf „Deviant“ noch nicht ganz so ausgeprägt, was aus kürzeren, prägnanteren Attacken bestand. Das hört sich auf dem Papier erst einmal nach unnötigem Ballast an, macht die rasendere und verstörende Ballerei und auch Midtempoausflüge der Band aber wesentlich bekömmlicher.

Und ist der Kampf  durch den Urschlamm der etwas mehr auf dem Zahnfleisch gehenden Produktion erst einmal gewonnen, sind auch durchaus interessante Riffs freizulegen. Ja selbst nahezu melodische, melancholische Intermezzien wie im abschließenden „Wounded“ werden kurzzeitig aufgezogen, aber ähnlich zu Vertretern wie SULPHUR AEON bringt die Melodie keineswegs süßen Zuckerguss, sondern ornamentiert die Dunkelheit und den Wahnsinn noch. Auf selbigem Track gibt sich auch Brendan Sloan von den Australiern CONVULSING die Ehre, was hinsichtlich Verortung der Musik auch ein weiterer Hinweis sein dürfte für noch Unentschlossene.

Noch nicht ein neuer Stern im lichtlosen Kosmos, aber auf dem Weg dahin

Das Cover spiegelt das selbstbetitelte Album bzw. Debüt der Band, je nachdem wie man nun „Deviant“ klassifizieren möchte (Full Length oder EP mit unter einer halben Stunde Spielzeit) perfekt wieder: Verstörend, andersartig und womöglich erst einmal kopflos nach dem Anhören. Es mangelt noch ein wenig an Abwechslung und vielleicht originellen Ideen, aber wenn DEFACEMENT ihre untergründige Authentizität und Atmosphäre halten können, während sie sich gleichzeitig ein wenig kompositorisch freischwimmen, steht uns eine sehr interessante, neue Extrem-Metal-Band ins Haus.  Das Kitab Al’Azif kam aus dem Jemen, vielleicht wird neue bestimmende Horror-Litanei zukünftig von ehemaligen Lybiern kommen?

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