[Review] Adiant – Killing Dreams

Das schwäbische Label MDD Records sowie sein Sublabel Black Sunset dürfte den meisten aufgrund diverser Kapellen, die im weitesten Sinne dem Todesstahl zuzuordnen sind bekannt sein. So wird das Debüt-Album von ADIANT auch als „teilweise symphonischer Melodic Death Metal“ mit ergreifenden weiblichen Vocals beschrieben. Da sich die Formation aus dem österreichischen Graz erst kurz vor der Corona-Pandemie gegründet hat und daher ein noch relativ unbeschriebenes Blatt ist, gibt es bislang entsprechend wenige Hörproben. Eines stimmt jedoch nachdenklich: Das für die Umschreibung der Vocals auf „Killing Dreams“ im englischen Promo-Text verwendete Wort „haunting“ kann gleichermaßen (wie oben) mit ergreifend, eindringlich, aber auch quälend und gespenstisch übersetzt werden. Hoffen wir auf ersteres.

ADIANT – Eindringlich oder quälend?

OK, was soll’s: Wer nicht gespoilert werden will, bitte kurz weiter springen: Die Hoffnung wird nicht erfüllt. Aber eins nach dem anderen. Die Bezeichnung „Symphonic Melodic Death Metal“ ist zumindest insofern irreführend, dass es hier weder um das eine, noch das andere handelt. Wirklichen Symphonic Metal spielen ADIANT schon deshalb nicht, da das einzig „symphonische“ Element der Sopran von Sängerin Patricia Gschier ist. Die restliche Begleitung besteht, neben ein paar minimalistisch gehaltenen Keyboard-Klängen, ausschließlich aus zwei Gitarren, Bass und Drums.

Versucht man jedoch den extrem in den Vordergrund gemischten Gesang mal ein wenig auszublenden, was schwer genug ist, zeigt sich allerdings, dass die Instrumentierung auch nicht wirklich ein Fundament aus melodischem Todesstahl zimmert. Das Ganze klingt oft eher nach modernem, furztrockenen Alternative Metal, der nur hier und da ein auf ein paar eher simple Melo-Death-Riffs zurückgreift. Einzig die Growls von Bassist Felix Gschier – dem Bruder der Sängerin – stellen eine dauerhafte Reminiszenz an tatsächlichen Death Metal dar.

Das alles könnte man jetzt noch als eigenen Stil durchgehen lassen – die Qualität aller abgelieferten Leistungen kann dabei aber nicht unerwähnt bleiben. Sängerin Patricia bewegt sich praktisch durchgängig in der gleichen Tonlage und zeigt in den „Melodielinien“, die eigentlich gar keine sind, nur minimalste Variation. Dass sie eigentlich auch weniger nervtötende Töne durchaus beherrscht, scheint zwar ab und an durch, leider aber viel zu selten. Auch die Growls von Bruder Felix sind nicht das gelbe vom Ei, erinnern in ihren absolut stärksten Momenten an frühe Gehversuche von EPICA-Grunzer Mark Jansen, der auch nicht unbedingt einer der besten seines Fachs ist. In den schwächeren Momenten ist das aber einfach nur heiseres Gekrächze.

Auch die Instrumentalfraktion, so sie denn unter den dick aufgeschichteten Gesangsspuren überhaupt wahrnehmbar ist, zeigt sich nicht gerade als verstecktes Kleinod. Oft fies schrammelnd bewegen sich die Gitarren praktisch durchgehend im maximal durchschnittlichen Bereich, sowohl die Riffs als auch die Melodien sind simpel gehalten und würden bei besseren Melodic-Death-Bands eher für Füllmaterial reichen. Das eindimensionale Drumming von Marcus Kürzl vermag ebenfalls nichts mehr zu retten.

Limitiert und unausgegoren – „Killing Dreams“

Nein, beim besten Willen, selbst absoluten Durchschnitt kann man „Killing Dreams“ nicht bescheinigen. Natürlich haben es die erst 2019 gegründeten ADIANT nicht leicht gehabt, konnten sie doch seit ihrer Gründung praktisch keine gemeinsame Live-Erfahrung sammeln. Vielleicht hätte man dann aber einfach mit der Veröffentlichung eines Albums noch warten sollen. Neben dem konstant nervtötenden Gesang und der oft unterdurchschnittlichen Instrumentierung wirkt auch das Songwriting unausgegoren.

Trotz gelegentlicher Variationen von Tempo und Härte klingen fast alle Songs gleich, was nicht zuletzt an den stark limitierten Gesangslinien liegt. Immerhin ist „Killing Dreams“ trotz 10 Songs mit gut 30 Minuten erfreulich kurz gehalten. Überflüssig zu erwähnen, dass das ADIANT-Debüt keinesfalls empfehlenswert für Melodic-Death-Fans ist – aber selbst Symphonic-Metal-Alleshörer dürften an dieser Platte kaum Gefallen finden.

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