[Review] Cthulhu – Rostocks Sieben

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Rostock, die mecklenburgische Hansestadt an der Ostsee, birgt ein altes Geheimnis. In diesem Szenario für das Horror-Rollenspiel CTHULHU müssen die Spieler*innen verhindern, dass sich die falschen Hände eine mächtige Waffe sichern, deren Ursprung in den Tiefen von Zeit und Raum liegt.

Auch wenn der Titel „Rostocks Sieben“ es nahe legt, handelt es sich hierbei nicht um ein Heist-Abenteuer im Stile von „Ocean’s Eleven“. Vielmehr geht es darum, die sieben Einzelteile eines Artefakts zu erlangen, das eng mit der Geschichte Rostocks verwoben ist. Die dazugehörige Hintergrundgeschichte ist interessant und lesenswert, hätte aber auch etwas übersichtlicher aufbereitet werden können. Die Motivation des Antagonisten sowie seine Pläne finden sich zum Beispiel in der Mitte des Szenarios, hätten aber besser an den Anfang gepasst.

„Rostocks Sieben“ bietet viele Möglichkeiten

Ebenso verhält es sich mit der Entwicklung der Geschichte. Eine kurze Übersicht zu Beginn fehlt, was aber zugegebenermaßen auch etwas schwierig zu gestalten ist. Denn, und darin liegt die Stärke von „Rostocks Sieben“, das Szenario ist sehr offen gestaltet. Nach einem vorgegebenen Auftakt, der die wichtigsten Nebencharaktere vorstellt und in das Rostock des Jahres 1927 einführt, kann sich die Handlung, je nach den Aktionen der Spielfiguren, sehr unterschiedlich gestalten.

Ohne zu viel vom Auftakt vorwegzunehmen: Die sieben Gegenstände, die zur Kontrolle der übernatürlichen Macht benötigt werden, geraten teilweise in die falschen Hände. Je nachdem wie gut die Suche nach ihnen vorangeht, kann das Szenario viele Ansatzpunkte zum Recherchieren, Infiltrieren oder auch Kämpfen bieten. Ebenso offen ist das Ende der Geschichte gehalten, das durchaus von der historischen Wirklichkeit abweichen kann. Die Stadt Rostock ist dafür eine gute Kulisse, da die kleine Großstadt trotz aller urbanitas genug provinzielles Flair versprüht, um ein Problem, das nicht sofort von äußeren Ordnungskräften gestoppt wird, glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Dadurch, dass die Spielfiguren nicht direkt, aber doch offensichtlich, mit einer übernatürlichen Macht konfrontiert sind, wird die Bedrohungslage schnell eindeutig. Der subtile Horror, der viele andere Szenarien für CTHULHU auszeichnet, bleibt dadurch außen vor. Stattdessen kann aber gerade der direkte Kontakt mit den menschlichen Mittelsleuten einer undurchsichtigen Macht im Hintergrund sehr viel Spaß machen.

Unvergessliche Abende in der Hansestadt Rostock

Je nach Verlauf kann „Rostocks Sieben“ zur kurzweiligen Schatzsuche, bitteren Dystopie oder zu einem komplexen Ränkespiel werden – oder alles zusammen sein. Diese Stärke führt jedoch auch zur großen Schwäche des Szenarios: zum einen reicht der Platz nicht aus, um alle möglichen Elemente der Handlung übersichtlich darzustellen, zum anderen wurde dies offenbar auch nur unzureichend versucht. Viele Informationen sind über den Band verteilt, vereinzelte sprachliche Ungenauigkeiten erschweren zudem das Verständnis. Mehr Platz oder eine bessere Struktur hätten dem Band also gut getan.

Unterm Strich ist „Rostocks Sieben“ aber ein gelungener Bausatz, um einige schaurige Spielabende in der alten Hansestadt zu verbringen. Wenn die Spielleitung ein bisschen Arbeit in das Szenario und außerdem Spaß am Improvisieren hat, je nachdem wie sich die Handlung entwickelt, kann dieses Abenteuer zu einer unvergesslichen Spielrunde werden.

Musik zur Artefaktjagd am Spieltisch: ELECTRIC WIZARD – Witchcult Today / CRADLE OF FILTH – Existence is Futile / CRYSTAL VIPER – Queen of the Witches

Würfeln und blättern, statt lauschen und headbangen – In der Rubrik „Dice ‚em All“ stellen wir euch ausnahmsweise keine Musik vor, sondern Rollen- und Brettspiele.

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