[Review] Lordi – The Masterbeast From The Moon

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„The Masterbeast From The Moon“ ist das Progressive-Rock-Album auf LORDIs Sieben-Platten-Husarenritt „Lordiversity“, der „Diskographie“, die dem letzten Album „Killection“ scheinbar vorausgegangen ist. Wir befinden uns im Jahr 1979, Bluesrock und Proto-Metal hat schon lange seine Schuldigkeit getan, die Diskowelle ebbt langsam wieder ab, und für die ernsthaften Rockbands gibt es kaum noch Grenzen hinsichtlich Aufmachung, Arrangements und Touren. YES und STYX sind mit dabei, RUSH haben hinsichtlich langer, ausladener Kompositionen ihren Zenit erreicht, EMERSON, LAKE & PALMER hat man immer noch im Gedächtnis. Selbst im Rock-Entwicklungsland Deutschland setzen GROBSCHNITT auf eine Rockoper. Da fangen die Finnen LORDI mit ihrem opulenten „The Masterbeast From The Moon“ den Zeitgeist hervorragend ein.

LORDI mögen’s progressiv

Alles ist eine Nummer größer, alles ein wenig länger und lyrischer. Die Bandbesetzung ist nurmehr der Ausgangspunkt, und deshalb bekommt sie Unterstützung von einem ausgewachsenen Orchester. Klar ist aber auch: Bei allen üppigen Orchesterarrangements gibt immer noch die Band den Ton an und darf sich in den Vordergrund spielen. Und auch thematisch setzt man einen drauf: Die Welt ist nicht genug, schließlich hat der Mensch bereits zehn Jahre zuvor den Fuß auf den Mond gesetzt und ist dabei, den Weltraum zu erobern. Oder droht eher Gefahr aus dem Weltraum?

LORDI erzählen da eine ganz eigene Geschichte, die mit einem zufällig eingefangenen Funkspruch im Weltall beginnt:

„We are under attack from the masterbeast from the moon…“

Das eröffnende „Moonbeast“ beginnt mit Spinettklängen und orchestralen Elementen, ganz im Stil von Filmmusik, die viel „erzählt“, ohne dass ein Text die Geschichte vorgibt. Daraus entwächst unter einer pulsierenden Basslinie ein ausgewachsener Rocksong, dessen Refrain in guter LORDI-Tradition steht.

Zwischen Archäologie und eigener Tradition

Ansonsten klingt hier aber alles nach Prog Rock: Die unterschiedlichen Stimmungen über den wechselnden Arpeggien von Gitarre und Spinett, von rechts nach links laufende, opulente Drumfills. Es macht schon Spaß, „The Masterbeast From The Moon“ als verschärfte Prog-Rock-Archäologie zu hören und dabei zu vergleichen, von welchen Songs und Alben sich LORDI haben inspirieren lassen. Oder welche sie gleich zitieren und wo sie sich Sounds leihen: Bei „Soliloquy“ denkt man beispielsweise aufgrund der Machart und des Titels unweigerlich an „2112“ von RUSH.

„Bells Of The Netherworld“ mit seinen prägnanten Synthesizerarpeggien beginnt ähnlich offensichtlich beeinflusst, wenngleich der Song später in einen typischen Mitsingrocker ausläuft, wie wir ihn von LORDI kennen und schätzen. Der Mittelpunkt des Albums ist sicherlich das zwölfminütige „Church Of Succubus“, das alle diese Punkte in Perfektion vereint. Die Finnen schaffen also ziemlich souverän den Spagat zwischen Aneignen und Eigenem, zwischen progressiver Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern, wobei… eigentlich ist bei LORDI ja immer eine Menge Augenzwinkerei dabei. Wenn im direkten und eingängigen „Celestial“ zudem James-Bond-Musik verwurstet wird, bekommen die Mundwinkel noch einen Extraschub nach oben.

„The Masterbeast From The Moon“ schafft den Spagat

Die Frage ist dabei natürlich, welche Erwartung letzten Endes an „The Masterbeast From The Moon“ gestellt wird: Als echtes Prog-Rock-Album fehlen wahrscheinlich ausufernde und irrwitzige Soloduelle. Für ein Klingt-so-wie…-Album ist es ziemlich gediegen, wenngleich die Häufung von kürzeren Zwischenstücken (fünf bei insgesamt zwölf Tracks) etwas so wirkt, als müsste der Faden der Geschichte zu Ende gesponnen werden, ohne noch einen „richtigen“ Song übrig zu haben. Als typisches LORDI-Album enthält es mit „Moonbeast“ nur ein typisches Stück, das sich später im Liveset wiederfinden könnte. Allerdings besitzen „Spear Of The Romans“ und „Church Of Succubus“ auch darüber hinaus genügend Qualitäten.

LORDI schlagen sich als Progressive-Rock-Band der Endsiebziger (und auch der beginnenden Achtziger) also achtbar. Allerdings ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie ihre größten Erfolge als die Monsterrocker feiern konnten, wie wir sie kennen und schätzen.

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