[Review] Hypocrisy – Worship

Soundcheck November 2021# 1Galerie mit 18 Bildern: Hypocrisy – Berserker Tour 2019 in Hamburg

So lange haben Tägtgren-Fans mit einer Vorliebe für die härtere Spielwiese des Schweden noch nie auf ein neues HYPOCRISY-Album warten müssen: Zwischen dem letzten todesmetallischen Output „End Of Disclosure“ und dem nun erscheinenden „Worship“ liegen ganze acht Jahre (und mit „Coming Home“ ein PAIN-Album). Aber gut, der Mann wird halt auch nicht jünger. Ob sich das Auftanken wenigstens gelohnt hat?

Diesmal stimmen auch die entscheidenden Details

Das Artwork ist schon einmal ein Volltreffer und stellt mit seiner kompletten außerweltlichen und mythologischen Überladenheit einen angenehmen Kontrast zu Tägtgrens doch bisweilen grenzwertigen Texten dar. Wo man bei ihm manchmal nicht ganz sicher ein kann, wo das Spiel mit abgedrehten Verschwörungsmythen als ergiebige Textquelle endet und die tatsächliche Paranoia beginnt, ist das „Worship“-Cover eine ganzheitliche und herrlich durchgeknallte, dabei aber extrem liebevolle Persiflage.

Musikalisch können bei einer so eingespielten und stilistisch fixierten Band wie HYPOCRISY Details den Unterschied zwischen einem überdurchschnittlichen aber letztlich soliden und einem ziemlich starken Album ausmachen. Bei „Worship“ stimmen diese Details erfreulicherweise fast alle.

Zunächst einmal gelingt den Schweden diesmal auf Albumlänge eine sehr gute Dynamik zwischen atmosphärischen Momenten, rasenden Thrash-Riffs, schleppenden Death-Walzen und epischen Hooks (für ewige Referenzwerte vgl. „Eraser“ und „Roswell 47“). Die Vorab-Single „Chemical Whore“ fällt gemeinsam mit dem noch langsameren und mächtigeren „We’re The Walking Dead“ sowie „Children Of The Gray“ in die Kategorie „epischer Stampfer“ – eine Art von Song, die HYPOCRISY im Death Metal gemeistert haben wie sonst kaum jemand – und keiner der genannten Songs muss sich dort verstecken.

Das Warten hat sich gelohnt: HYPOCRISY sind stark wie lange nicht

Aber auch im Uptempo-Bereich gelingt Tägtgren und Mannen diesmal fast alles: „Worship“ baut mit seinem Akustik-Intro kurz mächtig Atmosphäre auf, bevor Opener und Titeltrack in einem sich zu einem amtlichen Knüppel-Kickstart schrauben. „Another Day“ ist noch komprimierter und kompromissloser, bleibt aber trotz ziemlich klassischer Formel gut hängen.

Und dann gibt es noch solche Momente, die den Kritikern, die der Band gerne die komplette Stagnation auf bekömmlichem Pop-Death-Niveau vorwerfen, etwas den Wind aus den Segeln nehmen sollten: So verbindet „Dead World“ auf spannende Weise eine pumpende PAIN-Industrial-Strophe mit Thrash-Death-Raserei und „They Will Arrive“ integriert atmosphärische Hörner in seine Verse.

Kurz: Das Warten hat sich gelohnt. Auf „Worship“ spielen HYPOCRISY ihre Stärken gnadenlos aus und liefern ein Album mit einem durchgehenden Spannungsbogen, das so manchen Hit abwirft. Abgerundet wird das Ganze durch kleinere Ideen außerhalb des bekannten Baukastens. So stark war diese Band auf Albumlänge lange nicht mehr.

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