[Review] Fleischer – Knochenhauer

Soundcheck November 2021# 31

„FLEISCHER nehmen euch mit auf eine halbstündige Reise jenseits der Glitzer-Welt und präsentieren euch acht Geschichten, die sich so manches Mal hinter verschlossenen Türen abspielen“. Das zumindest sagt der Pressetext, welcher mit der hier vorliegenden Debütplatte dieser noch recht frischen Death-Metal-Band beiliegt. Das klingt ja schon so ein bisschen so, als wollten sich die Herren die ein oder andere Scheibe von EISREGEN abschneiden, was bei dem Bandnamen des hier gegenständlichen Quartetts im Wortsinne verstanden sicher nicht ganz abwegig scheint. Die Wahrheit dessen hat aber noch weit weniger Glitzer, als der Pressetext ohnehin schon offen zugibt.

FLEISCHER liefern grenzwertige Texte zu starkem Death Metal

Denn die Texte des Debüts „Knochenhauer“ klingen mehr so wie eine Band, die versucht, EISREGEN-Texte zu verfassen, deren einziger lyrischer Anhaltspunkt jedoch nur die Cheesiness von OOMPH! zu „Augen auf“-Zeiten ist. Die Qualität schwankt vereinzelt zwangsläufig mal nach oben wie im Opener „Spielgefährte“. Aber beispielsweise „Geburtstag“ oder „Schlag mich“ sind textlich einfach nur zum Fremdschämen und laufen lyrisch bestenfalls auf makabre Albernheiten hinaus. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Die entfernt an MUDVAYNE erinnernden „Nein, ich bin nicht krank“-Beschwörungen in „Fieber“. Unterdessen möchte man die hölzernen, schlichtweg peinlichen Innuendos von „Rattenfängerin“ am liebsten ganz schnell wieder vergessen. Was man den Herren hier aber lassen muss, ist, dass sie überhaupt den Mut haben, Death Metal in klar verständlicher, deutscher Sprache zu spielen.

Denn genauso gut hätten sie auch alles einfach bis hin zur Unkenntlichkeit zergrunzen können, sodass es praktisch egal wird, in welcher Sprache „gesungen“ wird. Was FLEISCHER dagegen wirklich gut machen, ist ihr Death Metal per se. Dieser Death Metal ist in seiner Essenz wenig mehr als aggressive und heavy dargebotene Hausmannskost. Der Sound lässt sich gar nicht so recht irgendeiner skandinavischen oder US-amerikanischen Schule zuordnen, sondern klingt tatsächlich mehr an mitteleuropäischen Death-Thrash-Gewässern gebaut, sodass der Death Metal á la FLEISCHER beispielsweise gerne mal um ein paar Ecken mit LEGION OF THE DAMNED verwandt ist. Sänger Rayker setzt seine Stimme hauptsächlich heiser keifend ein, wobei gewisse, emphatische Linien auch growlend dargeboten werden. Wie gesagt: solide Hausmannskost, macht man wenig verkehrt mit.

Schmackhafte, teutonische Hausmannskost

Sein Stimmorgan lässt sich dahingehend passenderweise vielleicht wirklich am ehesten mit dem von Maurice Swinkels vergleichen, wobei dieser vielleicht insgesamt noch ein bisschen mehr Gift und Galle spuckt. Und dessen Texte aufgrund der englischsprachigen Darbietung nicht so leicht vom Vergnügen ablenken wie die hiesigen Deutschsprachigen. Aber das kann bei Rayker ja noch kommen. Die Instrumentalfraktion tut indes ihr übriges, um den Sound mit amtlich Druck ins Rund zu ballern. Das geschieht gerne unter Zuhilfenahme von Moll-lastigen Melodien, die kraft der rasenden Blastbeats in „Fieber“ gelegentlich einen leichten Glimmer von Black Metal durchscheinen lassen. Abseits dessen sitzen die Grooves straff und die Rhythmik wird regelmäßig variiert, sodass die Sause stets unterhaltsam bleibt.

Der unfreiwillige Unterhaltungswert der Texte mag dem ein oder anderen das Gesamtvergnügen madig machen (vor allem, wenn man kraft des enormen Hörpensums nur kursorisch drüber hört), aber wenn diese Cringe-Kurve genommen ist, kann man mit dem FLEISCHER-Debüt richtig viel Spaß haben. Die lyrischen Ergüsse auf „Knochenhauer“ klingen bestenfalls zwar auch nur nach NDH-Gulasch aus der Cringe-Grabbelkiste, aber das tut der schieren Energie, die hierhinter steckt, keinen Abbruch. Das Quartett legt also stark vor und hat sich den Platz im Massacre-Raster damit auch verdient. Jetzt müssen sie eben ein Kraut gegen die peinlicheren Entäußerungen wachsen lassen und ihre lyrischen Fertigkeiten verfeinern …

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