[Review] Pagan – Schicksal von Roanoke

Dice 'em All Logo

In Geek-Kreisen findet ein Spiel zurzeit ganz besonders viel Erwähnung. Die Rede ist von PAGAN „Schicksal von Roanoke“, einem asymmetrischen Deduktions-Kartenspiel für zwei Personen. Der Ruhm könnte der Tatsache geschuldet sein, dass sämtliches auf Kickstarter verfügbares Material auf einen Schlag ausgeliefert wurde. Aber auch die gespaltenen Meinungen der Spieler und Spielerinnen rücken PAGAN ins Rampenlicht. Einige scheitern bereits an der Regel, andere sind in wenigen Minuten mit dem Spiel fertig und wieder andere sind völlig begeistert von seiner Vielseitigkeit. Aber was kann PAGAN eigentlich? Wir haben uns ein Exemplar auf den Tisch geholt.

Hex Hex

PAGAN „Schicksal von Roanoke“ spielt in den Jahren des späten 15. Jahrhunderts zu Zeiten der Hexenverfolgung. Eine Person übernimmt die Rolle der Hexe im sittsamen Pilgerdörfchen Roanoke und versucht, als getarnter Dorfbewohner möglichst viele Mitbürgerinnen und Mitbürger in ihren Bann zu ziehen. Die zweite Person übernimmt die Rolle des Hexenjägers, welcher im Ausschlussverfahren versucht, die Hexe nicht nur zu enttarnen, sondern auch zu eliminieren. Dabei kann es auch schon mal vorkommen, dass eine Unschuldige verbrannt wird. Jeder von euch nutzt ein individuelles Deck aus 50 Karten, die eure Taktik bestimmen. Beide Decks sind dabei komplett asymmetrisch. Während die Hexe mächtige Zaubersprüche nutzen und Tränke brauen kann, versucht der Jäger, Verbündete im Dorf zu gewinnen und Beweise zu sammeln. Hierzu spielt ihr abwechselnd jeweils drei Aktionen aus. Dazu legt ihr einen eurer drei Gehilfen auf eine der neun Dorfbewohnerinnen in der Spielfeldmitte. Diese unterstützen euch mit ihren individuellen Fähigkeiten. Durch manche könnt ihr beispielsweise die Währung „Einfluss“ gewinnen und diese danach verwenden, um bei der Aktion „Karten ausspielen“ eine eurer Handkarten zu nutzen. Während ihr als Hexe durch diese Aktionen Geheimnisse im Dorf verbreitet, werdet ihr als Jäger Beweise suchen, um den einen Dorfbewohner zu enttarnen, der bei Spielbeginn zur Hexe deklariert wurde.
Wer am Ende sein oder ihr Ziel erfüllen konnte, gewinnt das Spiel.

Nicht lesen – spielen!

So weit, so simpel – könnte man meinen. Der kurze Regelabriss lässt jedoch schon erahnen: Die Interaktion der beiden Figuren ist alles Andere als trivial.
Als Hauptkritik an PAGAN findet sich nun allerhand Genörgel am Regelbuch. Das liegt allerdings weniger an der Struktur der Regel, als vielmehr an den schwer durchschaubaren Konsequenzen jeder noch so unschuldigen Aktion. Kleiner Tipp vorweg: Lest die Regel zwar komplett durch, konzentriert euch aber auf den Spielaufbau und den Rundenablauf. Versucht Unklarheiten gar nicht erst vor Spielbeginn zu klären, sondern schaut diese im Verlauf nach. Ihr werdet bemerken, dass sich viele Fragen bereits selbst klären und das Regelheft für diesen Zweck sehr übersichtlich aufgebaut wurde.

„Das Schicksal von Roanoke“ besticht durch seine düstere Thematik der Hexenverfolgung und stellt diese durch bizarr anmutende Grafik in herbstlichem Farbschema auch entsprechend dar.
Ebenso wie die Fähigkeiten der Dorfbewohner, werdet ihr auch euer jeweiliges Startdeck schnell verinnerlicht haben, denn es besteht aus lediglich 25 unterschiedlichen Karten in jeweils doppelter Ausführung. Damit habt ihr vorerst für zahlreiche Spiele genug Material, bevor ihr das volle Synergiepotential ausgeschöpft habt. Solltet ihr diesen Punkt erreichen, haben die Entwickler PAGAN direkt als „Living Card Game“ angekündigt und ermöglichen euch durch kleine Kartenpacks, euer Deck nach euren persönlichen Wünschen zu verändern. Auch diese Packs sind bereits erhältlich und steigern die Möglichkeiten eurer Deckgestaltung deutlich.
PAGAN ist ein packendes Spiel, wenn ihr gerne das Deduktions-Genre kennen lernen wollt. Und das nicht zuletzt, weil andere Vertreter der Gattung, wie LOVE LETTER, ABGRUNDTIEF oder dem Klassiker WERWÖLFE, nur in deutlich größeren Runden spielbar sind, während „Das Schicksal von Roanoke“ ohne Doodle-Liste und Regelkonferenz auf den Tisch kommen kann. Die perfekte Gratwanderung zwischen Taktik und Bluff wird euch die gesamte Spielzeit auf die Stuhlkante ziehen und Fans verknoteter Hirnwindungen ganz sicher abholen. Wer es am Tisch gerne geradlinig und leger hat, sollte von PAGAN hingegen besser die Finger lassen.

Neugierigen sei geraten, aktuell einen Blick auf Kickstarter riskieren. PAGANs erste Auflage ist nahezu komplett ausverkauft und der kleine deutsche Verlag Wyrmgold, versucht gerade, sich einen zweiten Print vorzufinanzieren.
Also: Burn the witch! Oder auch nur den Nachbarn, aber lasst euch mit warmer Empfehlung verzaubern von PAGAN „Das Schicksal von Roanoke“!

Spieleranzahl: 2 Spieler
Spielzeit: 45- 60 Minuten
Verlag: Wyrmgold
Sprachen: deutsch
Festivaltauglichkeit:  Das Material benötigt nicht viel Platz und lässt sich beliebig verteilen. Eine Neoprenmatte als Spielfeld ist ebenfall verfügbar. Allerdings solltet ihr dem Spiel volle Aufmerksamkeit schenken, denn Fehler könnten das Spiel entscheiden.
Musikempfehlung:
MANTAR – „Death By Burning“
SOLITUDE AETERNUS – „Alone“
CATHEDRAL – „Hopkins  (Witchfinder General)“
REVEREND BIZZARE – „Crush The Insects“

Würfeln und blättern, statt lauschen und headbangen – In der Rubrik „Dice ‚em All“ stellen wir euch ausnahmsweise keine Musik vor, sondern Rollen- und Brettspiele.  

Lese den Original-Post unter : Source Beitrag