[Review] Urfaust – Teufelsgeist

Galerie mit 6 Bildern: Urfaust – Eindhoven Metal Meeting 2018

Mit Titelbezug zurück zum Debüt „Geist ist Teufel“ und auch augenzwinkernd in Richtung des „true Clochards“ – so gibt es auch noch eine limitierte Edition Gin zur Veröffentlichung dazu –  präsentieren sich URFAUST: So kommt die Band oft unverhofft und unangekündigt mit neuem Material daher (so auch bereits bei „The Constellatory Practice„), aber dafür auch mit nettem neuem Material. So auch mit dem neuen… ja was eigentlich, Album, EP? „Teufelsgeist“ ist hinsichtlich Laufzeit  schon zu lang für eine EP, im Hinblick auf musikalische Ausrichtung eigentlich so ein wenig wieder Rückbesinnung zum Mini-Format, für das die Niederländer ja berühmt-berüchtigt sind.

„Teufelsgeist“ schaut zurück zum Ambient… meistens jedenfalls

Es geht ein wenig zurück zu solchen Platten wie „Apparitions“ oder „Drei Rituale jenseits des Kosmos“. Denn auf „Teufelsgeist“ gibt es überwiegend Ambient, einen Bass, Schlagzeug, aber nicht wirklich Gitarren. Hat bei URFAUST vorher aber auch schon nicht gestört. Die Selbstbeschreibung des Labels, hier die Alkohol-induzierten Umnachtungen vertonen zu wollen, geht auf: „Offerschaal der Astrologische Mengvormen“ startet  noch euphorisch und beschwingt, „Bloedsacrament voor de Geestenzieners“ ist bereits dieser Moment in der Kneipe, wo das Reminiszieren und Lamentieren durch den Alkohol hervor kommt. „Van Alcoholische Verbittering naar Religieuze Cult“ ist dann die Ambient-Benebelung, für die URFAUST entweder gehasst oder geliebt werden.

Ein wenig Horrorschau, ein wenig auch über, je nachdem, wer gefragt wird. Auch „De Filosofie van een Gedesillusioneerde“ verrät schon im Titel wohin die Reise geht: Delirium-induzierte persönliche Hölle, die zur geistigen Wüste führt, die dann in „Het Godverlaten Leprosarium“ mit Ambient und beinahe an tibetanischen Kehlkopfgesang erinnerndem Dröhnen entlässt.

URFAUST sind URFAUST und bleiben URFAUST

Die erdrückende, hypnotische Schwere des Vorgängers oder den angesprochenen „Drei Rituale jenseits des Kosmos“ etwa erreicht „Teufelsgeist“ nicht ganz, es gibt viel Bekanntes und leider auch ein wenig Durchschnittsware geboten. Das Experiment, Alkoholeuphorie und -wahn darzustellen, ist allerdings geglückt. Große stilistische Brüche oder Experimente sind hier nicht zu erwarten obwohl URFAUST auf vorausgegangenen Platten sich immer ein Stück weit in ihrem Rahmen neu erfunden haben bzw. den Schwerpunkt anders gesetzt haben. „Teufelsgeist“ ist ein wenig mehr vom alten, in Teilen eine Zurückschau, ohne in das Lo-Fi-Rauschen vom Debüt zurückzufallen, aber auch eine Fortführung der Moderne der Band, mit guter Produktion, wieder zurück zu kürzeren Songlängen und auch einer gewissen Abwechslung zwischen den Tracks gesegnet.

Es gibt wohl hinsichtlich URFAUST tatsächlich nur zwei Kategorien Leute: Solche, welche die Band für völlig überbewertete Hipster und gute Selbstvermarkter halten und die andere Seite, die beinahe jeder neuen Veröffentlichung jünger-gleich entgegen fiebert. Hörer, die mit der Band sowieso schon nicht warm geworden sind, können sich auch „Teufelsgeist“ kneifen, während das andere Lager mit einer Spirituose ihrer Wahl und Kopfhörern im Dunkeln sich wieder in Wellen von Euphorie und Verzweiflung begeben dürfen. Der Gin, der in Kooperation mit Hoos London Gin in kleiner Auflage hergestellt wurde und mit „Teufelsgeist“ als eben solcher vertrieben wird, kann leider nicht bewertet werden, da der online nicht mit dabei war (warum gibt es Essen und Trinken eigentlich noch nicht zum Downloaden?). Interessierte sollten hier vermutlich wieder einmal schnell sein, ehe Platte zusammen mit Flüssignahrung ausverkauft sind.

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