[Konzertbericht] Hellseatic Festival 2021

Billing: Kadavar, Space Chaser, The Hirsch Effekt, Mörser, Galactic Superlords, Kavrila, Disbelief, Monolith, Hexer, Iron Walrus, Noisescape, Kavik, Fabulous Desaster und Controversial

Konzert vom 10.09 – 11.09.2021 | Bremer Wollkämmerei, Bremen

Hard und Heavy in Bremen – das Hellseatic Open Air 2021

Ursprünglich als Corona-konformes Kleinfestival geplant, musste das Hellseatic in Bremen 2020 doch die Segel streichen, auch wenn eine kleine Ausweichveranstaltung mit unter anderem LONG DISTANCE CALLING vertrösten konnte. Nun wurde also ein neuer Anlauf in 2021 von dem kleinen Zwei-Tages-Festival gewagt, das vom Verein Musikszene Bremen e.V. und kleinen anderen Initiativen wie Tsunamimusic, Heavy Bremen und weiteren maßgeblich mitgestaltet wurde. Die Bremer Wollkämmerei nahe der Weser ist zusätzlich eine interessante Location. Inklusion für Menschen mit Behinderung wird mit der Barrierefreiheit für dieses kleine Festival ebenfalls groß geschrieben. Neben den üblichen geltenden 3G-Regeln werden trotzdem nur negativ getestete Personen (auch mit Impfung) Zugang zum Konzertgelände gewährt. Maskenpflicht gilt in Außenbereichen und sanitären Anlagen, den Menschenansammlungen an diesem Abend nach zu urteilen werden diese Regeln aber sehr großzügig ausgelegt. Auch Moshpits sind bis zu einer gewissen Größe ohne Maske und Abstand erlaubt, also kann auch wieder das gute alte Konzertfeeling aufkommen und die Energie ausgelebt werden. Das geschieht in drei vor der Bühne durch Zäune abgetrennten Bereichen, die jeweils nur eine gewisse Menge an Menschen fassen können und so die Kontaktmöglichkeiten beschränken sollen.

Konzertfoto von Impressionen - Hellseatic 2021

Impressionen – Hellseatic 2021

Die Campingmöglichkeiten für weiter angereiste Menschen auf dem Parkplatz sind sicherlich gut gemeint, ich persönlich würde einer Schotterwiese und den rudimentär ausgestatteten Sanitätsanlagen allerdings lieber ein Nachtlager bei Freunden oder im Hotel vorziehen. Zumal die Temperaturen in Bremen ein wenig kälter sind und es auch an beiden Tagen regnete. Bremen hatte und hat auch heute eine ziemlich solide Musikszene in Sachen Hart und Heavy, allerdings scheint die Quervernetzung da noch nicht so gut zu funktionieren. Deshalb ist es erklärtes Ziel von Festivals wie dem Hellseatic, hauptsächlich aktuellen Lokalmatadoren wie NOISESCAPE, CONTROVERSIAL und KAVIK eine Bühne zu bieten. Aber alteingesessene Gruppen aus Bremen wie MÖRSER und auch größere Bands aus dem restlichen Deutschland wie KADAVAR oder THE HIRSCH EFFEKT sind ebenso mit dabei. Organisation und Verpflegung sind gut, wenn auch vom Preis ziemlich gehoben. Das einzige nervige sind die Token-Chips zum Bezahlen, die den Platz eines kleinen Säckerls einnehmen, um sich einigermaßen im Infield verpflegen zu können. Ohne verschließbare Taschen oder einer großen Geldbörse ist das Handling zwischen Euro und Token-Chips wirklich doof. Auch das Einchecken via Corona-App und tagesaktuellem Test führt zu Verzögerungen am Einlass, die mit einer anderen Aufteilung oder einem zweiten Eingang vielleicht einfacher gewesen wären. Zumal das Gelände in der Größe dies auch locker zulässt. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Anlauf Nummer 2 in besonderer Örtlichkeit

Konzertfoto von Impressionen - Hellseatic 2021

Impressionen – Hellseatic 2021

Um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen und auch aufgrund der besonderen Vergangenheit der Berliner Wollkämmerei als voriges Arbeitslager von insbesondere osteuropäischen Gefangenen während der NS-Zeit, gibt es neben dem eigentlichen Konzert ein Nebenprogramm auf dem Hellseatic in Form von Kunst- und Schauspielperformances von der Theaterwerkstatt der Hochschule Bremen, in der unter anderem ein SS-Offizier eine Gefangene als „Tier“ hält. Das unterhält scheinbar einige Besucher, verstört andere und ist durchaus ein ungewohnter Anblick auf einem Open-Air-Festival. Auch in den Umbaupausen klingt etwa Paul Celans Todesfuge oder die bekannte, menschenverachtende Höcke-Rede aus den Lautsprechern von der Bühne, welche mit den Zwangsarbeitern und der Vergangenheit des Geländes kombiniert wird. Das so ein Ansatz durchaus Sinn ergibt, zeigt sich an einer Person, welche die Brandrede des Politikers eher abfeiert als kritisch sieht. Die Unruhe hält allerdings nur kurzzeitig an, denn die Security sorgt dafür, dass der Herr seine politischen Beiträge vor der Tür des Geländes weiter von sich gibt. Am Eingang werden rigoros Bands mit zweifelhaften Verbindungen auf Shirts oder Patches aussortiert. Viel deutlicher kann sich ein Festival nicht positionieren und aufgrund der historischen Vergangenheit der Veranstaltungslocation ist das hier vielleicht auch noch einmal besonders angebracht.

Freitag, 11.09.2021

NOISESCAPE

Mit einem Mix aus Alternative Rock und Stoner Rock startet das Festival am frühen Freitagabend. NOISESCAPE existieren bereits seit 20 Jahren und sind eine typische Undergroundband aus der Hansestadt. Das Infield ist noch dünn besetzt und so kommt wenig Festivalfeeling auf, zumal der Himmel sich immer mehr verdunkelt und die Ankunft des angekündigten Regens nur eine Frage der Zeit zu sein scheint.

Konzertfoto von Noisescape - Hellseatic 2021
Noisescape – Hellseatic 2021

Setlist:

  1. Half Light
  2. Plastic Beauty
  3. Helmet
  4. Selfmade Prison
  5. 6/8
  6. Bullets Burn
  7. Refused

HEXER

Konzertfoto von Hexer - Hellseatic 2021

Hexer – Hellseatic 2021

HEXER haben anfangs und auch etwas in ihr Set hinein ein paar Probleme mit dem Sound und mit einer etwas ausgedünnten Crowd zu kämpfen, schlagen sich aber wacker durchs Set. Trotz einsetzendem Regen und ungewohnt flottem Einstieg für die Doomer kommt der Mix aus Synthies und der durch zwei Verstärker gespielten Gitarre von M. schnell die typische Schwere in die Stimmung und es sind die ersten schwingenden Matten zu sehen, die sich in Zeitlupe passend zur Musik bewegen.

KAVRILA

Konzertfoto von Kavrila - Hellseatic 2021

Kavrila – Hellseatic 2021

Bei den Hamburger Crust-/Doom/Sludge/Hardcore’lern KAVRILA ist das Publikum trotz langsam einsetzenden Regens schon ein wenig gefüllter und es kommt auch Bewegung in die Menge. Die Band nimmt die erhöhte Energie dankend auf und spielt sich durch ein vielfältiges Set aus ihrer Diskographie. Alex Bujack als Fronter ist energetisch mit dabei und bedankt sich für die Möglichkeit, mal wieder live auf der Bühne zu stehen. Publikum wie Band sind beidermaßen begeistert.

MÖRSER

Konzertfoto von Mörser - Hellseatic 2021

Mörser – Hellseatic 2021

Die Bremer Szene-Legenden MÖRSER metzeln sich ebenfalls solide durch ihr Set, auch wenn hier ebenfalls Regen und Sound ein wenig die Stimmung trüben. Das hält aber den Großteil der Besucher nicht davon ab, trotzdem in den kleinen eingesperrten Zellen ein wenig Pit-Action zu starten. Der Deathgrind bietet sich dafür auch hervorragend an und so machen MÖRSER zwar viel Spaß, können an diesem Tag allerdings kein Ausrufezeichen setzen. Auf der anderen Seite ist das Open-Air-Setting vielleicht gegenüber einer intimeren und energiereicheren Clubshow auch einfach das Falsche für eine Band wie MÖRSER.

DISBELIEF

Konzertfoto von Disbelief - Hellseatic 2021

Disbelief – Hellseatic 2021

DISBELIEF spielen sich wacker durch eine Auswahl ihrer Diskographie, mit Fokus auf’s neueste Album „The Ground Collapses“. Sänger Karsten „Jagger“ Jäger dankt dem Publikum für das zahlreiche Erscheinen und führt gleich den neuen Drummer Timo Claas ein, der vielleicht schon einigen von LAY DOWN ROTTEN bekannt sein dürfte. DISBELIEF zocken routiniert ihre Show durch, aber vor allem dem sonst sympathischen Fronthünen Jäger ist diesmal eine gewisse Müdigkeit anzusehen. Ob es am regnerischen Wetter, der Tagesform oder sonst was liegt? Schwer zu erraten.

Setlist:

  1. The Waiting
  2. Navigator
  3. The Awakening
  4. The Symbol Of Death
  5. Sick
  6. The Ground Collapses
  7. Scaring Threat
  8. Soul Destructor
  9. The One
  10.  The Beginning Of Doubt
  11. Toe The Sky
  12. For God?

Zugabe:

  1. Misery
  2. Rewind It All

SPACE CHASER

Konzertfoto von Space Chaser - Hellseatic 2021

Space Chaser – Hellseatic 2021

Eine positive Entwicklung haben die Berliner Thrasher SPACE CHASER in den vergangenen Jahren gemacht. Im Interview zum neuen Werk „Give Us Life“ erläutert Drummer Matthias Scheuerer, dass SPACE CHASER Ambitionen haben, den Underground zu verlassen. So ist reichlich Bewegung auf der Bühne und Sänger Siegfried „Siggi“ Rudzynski röhrt und rollt das R, als gäbe es kein Morgen. Reichlich fliegende Haare sind im Infield zu beobachten und der Fokus der Show liegt auf dem neuen Album. Acht der zehn Nummern von „Give Us Life“ befinden sich im Set, aber natürlich auch Klassiker wie „Skate Metal Punks“ dürfen nicht fehlen. Siggi und seine Mannen thrashen bis weit nach Mitternacht die Bühne mit einer runden Show, bei der auch Licht und Sound passen.

Selist:

  1. Juggernaut
  2. Cryoshock
  3. Atomcrusher
  4. Decapitron
  5. Remnants Of Technology
  6. The Immortals
  7. Waves
  8. Burn Them All
  9. Give Us Life
  10. Antidote To Order
  11. Skate Metal Punks
  12. Intro + Virus
  13. Anthem
  14. Tied Down + Metro Massacre

Der erste Tag wäre geschafft! Die nächtliche Anbindung ist nicht für alle optimal und das ist etwas, was im nächsten Jahr definitiv Verbesserungspotential hat. Auf der anderen Seite kommt man auf dem Nachhauseweg mit Bus und Bahn so auch mit anderen Fans ins Gespräch.

Galerien Freitag, 11.09.2021

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