[Review] Roth – Nachtgebete

„Du Papi, schau mal, ich hab da ein paar Lieder samt Text geschrieben, was hältst du davon?“ – Im Normalfall kommt dann seitens der Erzeuger meistens ein Lächeln und ein „Hast du toooooll gemacht!“ und das war’s. Nicht so aber bei Familie ROTH, bei denen Papa bereits seit über 25 Jahren bei EISREGEN, GOATFUNERAL und diversen anderen Projekten den Frontsänger mimt. Dort gefiel Papa Michael das Material seines Sohnes Quentin offenbar so gut, dass er direkt den Posten des Sängers für die Songs übernahm und sogar noch einen Text selbst beisteuerte. Herausgekommen ist mit „Nachtgebete“ ein waschechtes Vater-Sohn-Album.

Michael und Quentin ROTH – Der Apfel fällt nicht weit vom Birnenbaum

Wer die textlichen Ergüsse von M. Roths Hauptband EISREGEN kennt, kann schon vermuten, dass Sohnemann Quentin nicht über Blümchen und das Glücklichsein singen wird, sondern es etwas düsterer wird. Auch die Vorliebe Quentins für Marvel-Filme, wie die Hommage an „Iron Man“ in Form von „Eisenherz“ auf dem „Todestage“-Album von EISREGEN, ist mittlerweile aus dem lyrischen Repertoire gestrichen. Auf „Nachtgebete“ dominieren größtenteils grauselige Geschichten, welche für die Protagonisten meistens recht unschön ausgehen. Doch auch dystopische Erzählungen über andere Themen, wie in „Was mir bleibt“ sind auf der Scheibe zu finden. Und auch „Ein Loch ist ein Loch“ (als einziges geschrieben von M. Roth) ist deutlich weniger plakativ als sein Titel.

Musikalisch orientiert sich Quentin mehr an Gothic Metal und der neuen deutschen Härte, in den Black Metal driftet er nicht ab. Beeindruckend ist, dass Sohnemann bei ROTH sämtliche Instrumente selber übernommen hat und sowohl an den Saiteninstrumenten, als auch am Schlagzeug und am Keyboard eine gute Figur macht. Es wird deutlich, was am Nachmittag im Familienhaus in Tambach-Dietharz offenbar lieber gemacht wurde als Hausaufgaben.

Wer den Gesang von M. Roth kennt, weiß, was ihn auf „Nachtgebete“ erwartet. Der EISREGEN-Sänger nutzt aber passend zur Musik häufiger seine klare Stimme und packt die Blutkehle mehr zur Akzentuierung besonderer Textpassagen aus. Lediglich ein Alleinstellungsmerkmal fehlt der Band noch, das Album hat zwar keine schwachen Songs, aber auch keinen großen Hit.

„Nachtgebete“ – Der Beginn eines Familien-Business

Familie ROTHs Projekt ist spannend geworden und für Sohn Quentin sicherlich ein Sprungbrett, seine Musik an den Mann und an die Frau zu bringen. Es bleibt spannend, was wir von ROTH in Zukunft noch zu erwarten haben. Für Fans der Projekte des Vaters ist ein Reinhören ohnehin obligatorisch.

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