[Review] Iskandr – Vergezicht

Die Niederlande sind vielen Fans wahrscheinlich eher für Symphonic-Metal-Acts wie Floor Jansen (NIGHTWISH, AFTER FOREVER, REVAMP), AYREON und WITHIN TEMPTATION bekannt. Manche erinnern sich vielleicht noch an THE GATHERING. Hartgesottene werfen HEIDEVOLK in den Ring. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die Niederlande auch zu einem kleinen Hot-Spot für teils innovativen und eigenwilligen Black Metal gemausert. Das Projekt ISKANDR kann hier in einem Atemzug mit FLUISTERAARS, SOLAR TEMPLE, TURIA, NUSQUAMA und ferner auch URFAUST genannt werden.

ISKANDR – In der Ruhe liegt die Kraft

Mit “Vergezicht“ liefern uns Mastermind O und Schlagzeuger M. Koops das dritte Album unter dem Namen ISKANDR. Schon mit seinen ersten Veröffentlichungen “Euprosopon“ und “Gelderse Poort“ bewiesen sie, dass wir es hier mit einem ganz besonderen Black-Metal-Projekt zu tun haben. Denn ISKANDR schaffen es, moderne Elemente des (atmosphärischen) Black Metals mit düsteren, mittelalterlichen Klangspektren zu verweben, ohne auf Dudelsack und Schalmeien zu setzen. So gelang es ihnen schon auf den vorangegangenen Alben einzigartige Stimmungen zu erzeugen. Statt auf Aggression setzen sie also eher auf Introspektion. Sie versuchen, die Songs ihre ganz eigenen Geschichten erzählen zu lassen.

 ISKANDR „Vergezicht“en auf Stillstand

Auf dem neuen Album “Vergezicht“ behalten sie diese bekannte Formel bei. Doch die Nijmeger gehen noch ein paar Schritte weiter. Benutzten sie auf den bisherigen Alben ausschließlich Starkstromgitarren, lassen sie nun großen Raum für akustische Klänge. Und die Rechnung geht gut auf. Denn auf “Gezag“ wird man über zwei Minuten hinweg magisch in den Bann gezogen, bevor das Stück in atmosphärischen Black Metal übergeht. Die Akustikgitarren schweben immer zart über dem Ganzen, verleihen noch mehr Tiefgang und ergänzen sich mit den mittelalterlichen Choralgesängen im Hintergrund. Damit schaffen ISKANDR auf “Vergezicht“ abermals einen ganz eigenen Klangkosmos, der sich deutlich von seinem Vorgänger “Gelderse Poort“ abhebt. Dennoch schaffen sie es, auf ihre Art vertraut zu klingen.

Auf „Vergezicht“ entspannt sogar der Teufel

Nach der Beschreibung sollte man jetzt nicht annehmen, es handele sich hier um einen verschrobenen Genre-Cocktail im Sinne von IGORR oder Konsorten. Im Gegenteil. Alle Elemente greifen wie gut geölte Zahnräder ineinander. Auch an Härte mangelt es “Vergezicht“ nicht. In “Bloeddraad“, “Het Slot“ und “Baken“ schaffen es ISKANDR trotz der sanftmütigen Atmosphäre abgrundtief finster zu klingen. Genre-typische Blastbeats inklusive.

Sind ISKANDR Perle unter den Säuen?

Wenn man Vergleiche heranziehen möchte, klingen ISKANDR als hätten sich EMPYRIUM mit den Herren von URFAUST ins niederländische Hinterland zurückgezogen und ihrem kreativem Wahnsinn freien Lauf gelassen. Doch das würde der Sache nicht gerecht werden. Denn ISKANDR haben sich nach zwei eher durchschnittlichen Post-/Atmospheric-Black-Metal-Alben zu einer eigenen Hausnummer entwickelt. Und sie legen mit “Vergezicht“ ein Album vor, das wie aus einem Guss klingt und einen von der ersten Note an einen enigmatischen Sog entwickelt.

Von Fisch und Fleisch

Dennoch ist “Vergezicht“ keine Platte, die uneingeschränkt empfohlen gehört. Wer ausgiebige Blastbeat-Kaskaden mit unbarmherzigem Riffgewitter erwartet, wird enttäuscht. Auch die Bezeichnung des atmosphärischen Black Metals kann schnell in die Irre führen. Denn von Bands wie PANOPTICON, ALCEST, WOLVES IN THE THRONE ROOM oder ELDAMAR sind ISKANDR meilenweit entfernt. “Vergezicht“ ist ein Highlight für all jene geworden, die bereit sind, neue Genre-Pfade zu erkunden und sich über eine Stunde lang zurücklehnen und fallenzulassen. Für ein schnelles Durchhören sind ISKANDR ungeeignet. Ein Album also, das zu langen Herbstspaziergängen einlädt.

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