[Review] Alien Weaponry – Tangaroa

Galerie mit 17 Bildern: Alien Weaponry – Final Tour in Germany 2019

ALIEN WEAPONRY werden gerne als DIE Senkrechtstarter bzw. Up-And-Coming-Band in der Metal-Szene betitelt. Und diesen Status hat das Trio aus dem wunderschönen Neuseeland schon lange vor ihrem ersten Album erhalten. Schon 2016 führten die KollegInnen von Louder ALIEN WEAPONRY unter den 10 besten Bands Neuseelands (neben Bands wie ULCERATE, BEASTWARS, DEVILSKIN u.a.). Zu dem Zeitpunkt waren die Jungs noch mitten in der Pubertät! ALIEN WEAPONRY begeistern viele vor allem durch ihre Mischung aus groove-lastigem Metal mit Texten, von denen viele in der Sprache der Maori verfasst sind.

„Tangaroa“ – Alles neu mit Album Nummer Zwei?

Die Veröffentlichung von ihrem Album „Tu“ fand 2018 nicht nur in Neuseeland großen Anklang. Auch international wurde es von Kritikern mit guten Noten versehen. Bei all dem Lob blieb aber nicht außer acht, dass sich ALIEN WEAPONRY hier auf musikalischen Pfaden befinden, die schon von Bands wie SEPULTURA, SOULFLY, CAVALERA CONSPIRACY oder den Ungarn von EKTOMORF arg ausgetreten worden sind. Damit sie also auch mit ihrem neuen Album „Tangaroa“ Interesse erzeugen können, durften die Jungs sich nicht auf ihrer bisherigen Erfolgsformel ausruhen. Im Gegenteil haben ALIEN WEAPONRY sich die drei Jahre Zeit genommen, um auf den zahlreichen Tourneen und Festivalauftritten von anderen Bands Inspiration zu sammeln. Ihre großen Vorbilder waren dabei MESHUGGAH, GOJIRA und TOOL. Das Songwriting der einzelnen Songs auf „Tangaroa“ fällt nämlich merklich progressiver aus.

ALIEN WEAPONRY – Auf ungewohnten Pfaden

Doch keine Angst. Sie nennen sich nicht gleich in BETWEEN THE MAORI AND ME um. Auch wenn es schon passen würde. Denn ALIEN WEAPONRY fordern auf „Tangaroa“ doch mehr Geduld von den HörerInnen ein. Und das ist hier leider nicht im positiven Sinne gemeint. Denn die progressiven Einschübe ziehen die Songs teilweise zu künstlich in die Länge, ohne dafür aber über weite Strecken für die nötige Spannung zu sorgen. Nur vereinzelt blitzen interessante Momente auf, wo sich das progressivere Riffing gut mit dem Rhythmus maorischer Musik vereint (z.B. „Hatupatu“, „Ihrenga“).

Bangen ohne ALIEN WEAPONRY

Was „Tangaroa“ ebenfalls fehlt, sind wirkliche Banger. Denn das ist doch letztendlich der einzige Grund, sich dem Genre des Groove-Metals zuzuwenden. Egal ob SEPULTURA, oder PANTERA: ohne knallharte Nackenbrecher wären sie sehr schnell langweilig und uninteressant geworden (siehe FIVE FINGER DEATH PUNCH). Und leider ist das für ALIEN WEAPONRY schon bei Album Nummer zwei der Fall. Viele der Songs brauchen erst sehr lange, um überhaupt erst einmal anzufangen und dann stolpern sie nur belanglos dem Ende entgegen. Dazu trägt auch der dürftig auftretende Gesang von Lewis de Jong. Gerade bei einem politischem Song wie „Tangaroa“ hätte es wesentlich mehr Druck bedurft. Schließlich geht es hier um die Verschmutzung der Meere durch uns Menschen. Auf Songs wie „Unforgiving“ oder „Dad“ zeigt er zudem, wo seine Grenzen derzeit noch zu liegen scheinen. Er ist erst 19 und kann noch einiges lernen. Doch auch die Tonabmischung lässt gewissen Druck vermissen und gerade das Drumming klingt hier dünn.

„Tangaroa“ – Der Wendepunkt

Nach all der Vorrede möchte ich jetzt nicht behaupten, dass ALIEN WEAPONRY schlechte Musik schreiben bzw. keine guten Musiker im Allgemeinen sind. Sie lassen immer mal wieder Momente aufblitzen, die durchaus interessant sind. Vor allem bei den instrumentalen Parts. Aber es reicht dennoch nicht, um sie nach aktuellem Stand als Zukunft des Metals zu bezeichnen. Klar, sind sie noch ziemlich jung. Doch darauf sollte sich das Marketing nicht ausruhen. Hat am Ende bei UNLOCKING THE TRUTH auch nicht funktioniert. Denn generell fangen viele Metal-Bands in (sehr) jungen Jahren an und einige haben schon früh weitaus mehr Talent bewiesen (z.B. HELLOWEEN, TRIVIUM, EMPEROR etc.). Auch der Maori-Effekt verblasst schneller als man „Titokowaru“ aussprechen kann. Nach einem guten Erstlingswerk mit Überraschungseffekt können ALIEN WEAPONRY mit „Tangaroa“ nicht so schnell Begeisterungsstürme von NeuhörerInnen erwarten. Die Fans werden sich sicherlich über die neuen Einschübe freuen.

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