[Review] Charlotte Wessels – Tales From Six Feet Under

CHARLOTTE WESSELS war den meisten Leuten bisher als Frontfrau von DELAIN ein Begriff. Im Februar kehrte sie jedoch, zusammen mit allen anderen Mitgliedern, ihrer Band den Rücken und widmete sich ihrer Solokarriere. Bereits seit Beginn der Pandemie veröffentlichte sie in regelmäßigen Abständen Songs auf ihrem YouTube-Channel, von welchen sie nun zehn Stück zu einem Album zusammenstellt. Dabei spielt sie sämtliche Instrumente selbst ein und übernimmt natürlich auch den Gesang. Lediglich „Lizzie“ stellt ein Duett mit Alissa White-Gluz (ARCH ENEMY) dar.

CHARLOTTE WESSELS will kein DELAIN 2.0

Schnell wird klar, dass „Tales From Six Feet Under“ nichts mit dem Symphonic Metal ihrer ex-Band gemeinsam hat. Auf Wessels‘ Soloalbum dominieren Indie-Klänge, mal rockig, mal poppig, getragen von der zweifelsohne sehr variablen Stimme der niederländischen Sängerin. Apropos Niederlande: Mit „Afkicken“ befindet sich der erste Song in der Landessprache von CHARLOTTE WESSELS auf dem Album.

So richtig auf die Probe stellt Wessels ihre Hörer:innen bei „Masterpiece“. Waren die ersten beiden Stücke des Albums noch recht charmante Indie-Rocker, so ist „Masterpiece“ ein lupenreiner Popsong. Dieser könnte ohne weiteres auch Teil eines Teenie-Filmsoundtracks sein und besitzt leider völlig überflüssiges Autotune. Ein Stilmittel, das Sängerinnen und Sänger wie Wessels, die wirklich gut singen können, definitiv nicht nutzen sollten.

Was man CHARLOTTE WESSELS attestieren muss, ist ihre Vielseitigkeit, die Instrumente betreffend. Sowohl die Samples als auch die Gitarren sind variabel und sauber eingespielt. Ein paar harte Gitarrenriffs und Schlagzeug, wie wir es im Verlauf von „Source Of The Flame“ zu hören bekommen, hätten es auf dem Album gerne öfter sein dürfen.

„Tales From Six Feet Under“ – Über weite Teile regiert der Pop

Das Albumende präsentiert uns dann noch ein Cover von GERARD MCMAHONs „Cry Little Sister“, welches BLUTENGEL anno 2005 auch schon auf dem Coverteller hatten und dort noch etwas düsterer daherkommt. Spannend ist zudem das eingangs erwähnte Duett mit Alissa White-Gluz, das auf den Namen „Lizzie“ hört und mal nicht die bekannten Growls von White-Gluz nutzt. Stattdessen kramt sie ihre Klargesangs-Stimme aus der Mottenkiste. „FSU (2020)“ (das Kürzel steht für „Fuck Shit Up“) und „Soft Revolution“ beenden das Album für Rock- und Metalfans versöhnlich. Mit diesen beiden Stücken können Stammfans der Sängerin wohl am meisten anfangen.

Quo vadis, Charlotte?

Soloprojekte sollen ja immer eine Spielwiese sein, auf der sich die Künstler:innen austoben können und eben kein lauwarmer Aufguss der Hauptband. Eine Hauptband hat die Sängerin gerade nicht, von daher wird es spannend sein, wohin die Reise von CHARLOTTE WESSELS gehen wird. Wer sie als Gesamtkünstlerin schätzt, kann hier sicher ein Ohr riskieren. Für Fans, die ihren Schwerpunkt ausschließlich auf Rock und Metal legen, ist das Album eine durchwachsene Angelegenheit.

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