[Review] The Picturebooks And The Major Minor Collective

Soundcheck September 2021# 10

Als 2019 das fünfte Studioalbum „The Hands Of Time“ des Duos aus Gütersloh erschien, wirkte es so, als sei das Momentum auf ihrer Seite. Nach Jahren harter Arbeit sind die Ostwestfalen beim Branchenriesen Century Media gelandet. Chrissie Hynde von THE PRETENDERS hat einen Gastbeitrag beigesteuert. Danach stand eine Nordamerikatour mit VOLBEAT auf dem Plan, doch Corona machte sie zunichte. Also versuchten THE PICTUREBOOKS das Beste daraus zu machen. Heraus kam das neue Studioalbum „And The Major Minor Collective“, das mit verschiedenen Gastsänger:innen aufgenommen wurde. Unter ihnen sind große Namen wie Neil Fallon (CLUTCH), Dennis Lyxzén (REFUSED) und Lizzy Hale (HALESTORM).

Still the same

Das soll aber nicht bedeuten, dass THE PICTUREBOOKS ihren typischen Sound verändert haben: Sie bieten bluesigen Rock. Doch der kommt nicht so angestaubt rüber, wie bei vielen anderen Bands, sondern ist wesentlich frischer. Das liegt nicht zuletzt an Drummer Philipp Mirtschink, der mit seinem beckenlosen Drummingstil ein eigenes Trademark entwickelt hat. Gerade die Ergänzung um eher ungewohnte Perkussioninstrumente und der stampfende Rhythmus verleihen dem Sound der Bilderbücher eine eigene Note.

Ein anderer Grund dafür, dass sie wesentlich aufregender als BLACK STONE CHERRY und BLACKBERRY SMOKE klingen, ist ihr variables Songwriting. Zwischen konventionelle Blues-Rock-Nummern wie ‚Holy Ghost‘ und im besten Sinne staubige Tracks wie ‚Corinna Corinna‘ mischen sich das minimalistische ‚Beach Seduction‘ und die hitverdächtige Powerballade ‚Rebel‘, die den bluesigen, stampfenden Charakter der Platte auflockern.

„The Picturebooks And The Major Minor Collective“ funzt wie geölt

Die Stärken der Gäste werden unterschiedlich genutzt. Einige drücken den Songs ihren Stempel auf. Gerade Lizzy Hale glänzt mit ihrer Rockröhe im Song ‚Rebel‘. ‚Catch Me If You Can‘ ist ganz am typischen Sound des BLACK STONE CHERRY-Sängers Chris Robertson ausgerichtet. Elin Larson ist in ‚Too Soft To Live And Too Hard To Die‘ kongeniale Gesangspartnerin von Fynn Grabke. Andere sind jedoch nur Background-Sänger, was im Fall von etwa Dennis Lyxzén nicht unbedingt eine schlechte Entscheidung war.

Die ungewohnteste Stimme des Albums gehört dem ehemaligen KVELERTAK-Sänger Erlend Hjelvik, der sich für ‚Multidimensional Violence‘ zur Verfügung gestellt hat. An der sich anbietenden Ausfahrt gen Black ’n‘ Roll fahren die Gütersloher vorbei, bieten jedoch einen Stampfer, der das primitivste Stück des Albums darstellen dürfte.

Nichtsdestotrotz geht das Konzept von „The Picturebooks And The Major Minor Collective“ voll auf. Die Platte ist abwechslungsreich und frisch, wodurch die Gütersloher reputationsmäßig einen weiteren Schritt nach vorne machen sollten. Das liegt an der Auswahl der hochkarätigen und versierterten Gastsänger:innen, aber auch an ihren abwechslungsreichen Tracks und erfrischenden Bandsound. Schade, dass THE PICTUREBOOKS ihre Stellung wegen der sehr eingeschränkten Auftrittsmöglichkeiten nicht noch weiter ausbauen können. Der Rockszene würde es gut tun.

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