[Review] Wikinger 878 A.D. – Brettspiel

Review

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Im Jahr 865 landet eine große Schar heidnischer Nordmänner an der Küste East Anglias um England zu überrollen. Zu diesem Zeitpunkt terrorisieren norwegische und dänische Wikingerstämme bereits seit 72 Jahren die englische Küste mit Überfällen. Schätze und Beute reichen nun nicht mehr aus, sondern die Nordmänner wollen die eroberten Länder auch besiedeln und regieren.

Die Wikinger kommen!

Wikinger 878 A.D. ist ein Strategiespiel für 2-4 Streitlustige, bei dem die Spieler entweder die einfallenden Wikinger kontrollieren oder als englischer Adel versuchen, der Invasion zu trotzen. Jede Seite wird durch jeweils zwei Fraktionen dargestellt, sodass bei vier Spielern jeweils zwei Personen miteinander kooperieren müssen.

Über sieben Runden arbeiten sich Angreifer und Verteidiger bis ins Jahr 878 vor. Während jeder Runde führen alle vier Fraktionen in zufälliger Reihenfolge ihre Züge aus. Diese bestehen aus fünf Phasen und umfassen Verstärkung der eigenen Truppen, Nutzung der Anführerfertigkeiten, Truppenbewegung und möglicherweise Kampfhandlungen. Zuletzt erfolgt eine Prüfung der Siegbedingungen: Haben am Ende des Zuges die Wikinger 14 Einflusspunkte in den englischen Ländereien eingenommen, oder im Gegenteil keinen Einfluss mehr, endet WIKINGER 878 A.D. frühzeitig. Sollte dies nicht eintreten, kommt es nach der siebten Runde zum „Vertrag von Wedmore“ und es entscheidet sich hier, wer siegreich war.

Zu den Waffen!

Wer beim Spieltitel auf romantisch-verkitschte Ogerkämpfe, Trolle und Schamanenmagie als Sonderfähigkeit hofft, ist bei WIKINGER 878 A.D. völlig falsch. Auch wenig fantasy-affine Spielfans dürften auf den ersten Blick vom eher schmucklosen Artwork enttäuscht sein und das Regelwerk stellt einen eher fad-trockenen Abend in Aussicht.

Auf den zweiten Blick offenbart sich allerdings ein strategisch ausbalanciertes Taktikspiel, wie Kenner es aus dem Hause Academy Games (FIEF, CONFLICT OF HEROES) bereits zu schätzen wissen. Im Vergleich zu den modernen und durchaus erfolgreichen Gebietskontroll-Spielen, bleibt WIKINGER 878 A.D. nüchtern und geschichtlich akkurat. Die Anführer der Fraktionen sind spätestens seit der Serie VIKINGS der breiten Masse ein Begriff. Und so widmet sich das Regelheft auf satten fünf Seiten einem geschichtlichen Überblick, um Fehlüberlieferungen aus erwähnter Serie etwas entgegen zu setzen.

Beide Seiten spielen sich taktisch völlig unterschiedlich und auch die variable Zusammensetzung des Ereigniskartendecks sorgt für Abwechslung. Bei eher simplen Regeln, trumpft WIKINGER 878 A.D. also sowohl mit strategischer Tiefe, als auch einem hohen Wiederspielwert. Gleichzeitig hat bei den Kämpfen Würfelglück einen sehr hohen Stellenwert – nichts für Vollblutstrategen also, die vom Glück ihrer Gegner schnell frustriert sind.

Wem der einfache Angriff auf England über sieben Runden zu trist wird, kann sich auch an den zwei speziellen Szenarien für fortgeschrittene Spieler versuchen. Noch mehr davon gibt es nach Belieben mit der Erweiterung DAS ZEITALTER DER WIKINGER. Die liefert zudem Bonusmaterial, wie Ragnar Lodbrok als Anführer oder Kirchen.

Wer also Strategie mit einer Prise Glück dem ganzen modernen optischen Schnörkel vorzieht, dem sei WIKINGER 878 A.D. wärmstens empfohlen.

Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Spielzeit: 60 – 90 Minuten
Verlag: Giant Roc
Sprachen: deutsch
Festivaltauglichkeit: eher für das Wochenende danach, wenn von Bier und Partystimmung ! erstmal Alle die Nase voll haben.
Musikempfehlung: WARDRUNA – „Kvitravn“, ENSLAVED – „Utgard“

Würfeln und blättern, statt lauschen und headbangen – In der Rubrik „Dice ‚em All“ stellen wir euch ausnahmsweise keine Musik vor, sondern Rollen- und Brettspiele.

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