[Review] Erik Cohen – Northern Soul

Galerie mit 21 Bildern: Erik Cohen – On Tour 2018

Die Karrierepfade des Daniel Geiger aka Jack Letten aka ERIK COHEN verlaufen mittlerweile schon fast ebenso lange hauptsächlich entlang seiner Solo-Persönlichkeit wie zwischen 1999 und 2010 unter dem Banner der nordischen Hardcore-Institution SMOKE BLOW. Was 2013 mit der „Kapitän“-EP seinen Anfang nahm, erhält 2021 den mittlerweile vierten Zuwachs in Form des neuen ERIK-COHEN-Albums „Northern Soul“. Darauf, der Titel deutet es bereits an, schwelgt der Kieler noch tiefer und ausgiebiger als gewöhnlich in Erinnerungen und Nostalgie – sowohl textlich als musikalisch.

Der Dad Rock dominiert weiterhin

Die Pforte zu diesem Sepia-Trip stößt schon das „Intro (Northern Soul)“ mit trägen Wellenschlägen, wogendem Dreivierteltakt und Akkordeontupfern maximal weit auf. Und offen bleibt sie, wenn ERIK COHEN über die omnipräsenten maritimen Leitmotive hinweg ganze Songs über sein Bundesland, seinen Traditionsfußballclub aus einer Zeit, in der es noch um Leidenschaft und nicht um das große Geld ging (zumindest, wenn man sich an die bierselig-verwaschenen „Bomberjacken“-Erinnerungen hält), und seine musikalischen Helden („Halloween“) jault.

Musikalisch dominiert, wie schon auf „III“, der geerdete, böse Zungen würden sagen, der Dad Rock. Dass der Kieler Kapitän darauf zu brillieren versteht, das hat er in der Vergangenheit schon häufiger bewiesen. „Nach dem Sturm“ aber ist ein wirklich schwacher Opener, der das Versprechen des atmosphärischen Intros zu keinem Zeitpunkt einzulösen vermag. Dann doch lieber im getragenen Tempo über die Dächer der „Millionenstadt“ – inklusiver weiblicher Gastvocals und einem Ohrwurm-Refrain in bester ERIK-COHEN-Manier.

„Northern Soul“ hat ein paar solcher Hits. Leider sind es zu wenige. Für jede stampfende und schnaufende „Lokomotive“ gibt es auch einen wehleidigen „Jungen Matrosen“ und eine Ode an das Glücksspielparadies unter den deutschen Bundesländern.

ERIK COHEN übertreibt es diesmal mit der Nostalgie

Womit wir wieder beim Pathos und bei der Nostalgie wären, die auf „Northern Soul“ endgültig zu oft die erste Geige spielen. Der Hang war bei ERIK COHEN immer schon da, aber meist gab es dazu auch genügend mitreißende Hooks und einige inspirierte Riffs oder auch mal ein paar Wave- oder Blues-Einschübe. Wo diese Inspiration aber fehlt, hilft es auch nicht, wenn man Peter Steele und TYPE O NEGATIVE nicht nur musikalisch sondern auch gleich namentlich zitiert. Nach einem Schmunzler bleibt halt ein langweiliger Song über Peters „Halloween“.

Wie schon „III“ will auch „Northern Soul“ nicht so recht an die ersten beiden Solowerke des ERIK COHEN heranreichen. Album Nummer vier ist einmal mehr rockmusikalische Heldenverehrung – diesmal aber noch aufdringlicher und auch noch ein bisschen einfallsloser. Wird live sicherlich funktionieren, klang aber insgesamt schon einmal deutlich zwingender.

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