[Review] Locus Neminis – Verborgen in der Zeit

Unvollendete Werke werden in der Literatur als Fragmente bezeichnet. Nicht immer ist der Auslöser für ein Fragment der Tod des Schriftstellers, jedoch stellt dieser die logische Grenze der Schaffensphase dar. In der Musik werden Fragmente als unvollendete Werke bezeichnet. Auch „Verborgen in der Zeit“ von LOCUS NEMINIS drohte dieses Schicksal, allerdings wollte die Band aus Österreich es nicht dabei belassen.

„Verborgen in der Zeit“ wird dem Vergessen entrissen

Den Stil von LOCUS NEMINIS haben wir, im Rahmen der Besprechung des Debütalbums „Weltenwanderung“ (2012), als Space Black Metal beschrieben. Wenn es dieses Genre wirklich geben sollte, dann würden es LOCUS NEMINIS auf ihrem neuen Album als Mischung aus Melodic Black Metal und Symphonic Death Metal definieren. Dabei ist die Band näher an den späten EMPEROR als an klassischen Schwarzsymphonikern wie DIMMU BORGIR. Der Drumsound, der mit elektronischen Sounds nicht nur geliebäugelt hat, lässt wiederum die inhaltliche und musikalische Nähe zu den Schweizer Nachbarn DARKSPACE erahnen. Wobei Letztgenannte natürlich einen ganz eigenen Sound kreiert haben, den LOCUS NEMINIS keinesfalls adaptieren.

Die Drums sind ohnehin ein interessanter Aspekt an „Verborgen in der Zeit“. Ramiz Alexander Sofić wirft einige sehr bemerkenswerte Hochgeschwindigkeitspassagen in den Ring, welche, durch den Midi-Instrument-Schredder geworfen, das sehr spezielle Feeling einer Rhythmusmaschine erzeugen. Zum Sound von LOCUS NEMINIS passt diese kalte, technische Ausgestaltung wie die Faust aufs Auge.

Insgesamt ist „Verborgen in der Zeit“ ein unglaublich kompromissloses Album, welches zudem die großen technischen Fähigkeiten der Musiker und Tüftler LOCUS NEMINIS illustriert. Gleichermaßen ist das Album auch das Vermächtnis des im Alter von 27 Jahren verstorbenen Franz Enkner alias F.E., der im Jahr 2014 mit der Produktion des Albums begann. Erst durch eine Festplatte kamen die verbleibenden Bandmitglieder in den Besitz der bis dahin vorhandenen Dateien, sodass Ende 2018 die Arbeit an „Verborgen in der Zeit“, ein halbes Jahr nach dem Tod von Franz Enkner, fortgesetzt werden konnte. Zwei weitere Jahre dauerte die Vollendung, des vollständig in Eigenregie entstanden Albums.

LOCUS NEMINIS entsagt den Massen

Im Gegensatz zu „Weltenwanderung“, welches noch tiefer in klassischen Sounds und Strukturen verwurzelt gewesen ist, löst sich „Verborgen in der Zeit“ weiter von diesen ursprünglichen Einflüssen und setzt radikalere Kontradiktionen. Selbstverständlich führt diese Entsagung auch zu einem Verlust der Griffigkeit, die LOCUS NEMINIS weit von festivaltauglicher Kost entfernt und tief ins Art-House-Regal schiebt.

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